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ADHS-Messe in Neubrandenburg vom 26.-27.April 2008
 
Von Gabi Dorn
 
Zurückblickend berichte ich über die 2.deutschlandweite ADHS-Messe in Neubrandenburg.
An einem sonnigen Wochenende machten sich einige Mitglieder der Magdeburger ADHS-Selbsthilfegruppe auf den Weg nach Neubrandenburg, in der Hoffnung auf neue Erkenntnisse.
Vor dem Aufstehen fuhren wir mit unserem gemieteten Bus los, damit wir rechtzeitig zum Beginn der Messe dort sein konnten.
Nach einem musikalischen Intro von mehreren Schülern unter der Leitung von Frau Goldmann begann die Veranstaltung. Gespannt warteten wir auf Dipl.Psych. Dipl. Heilpäd. Cordula Neuhaus, die Legende schlechthin in Sachen ADHS. Sie hat bereits mehrere Bücher zu diesem Thema veröffentlicht, somit sehr viel zum allgemeinen Verständnis dieses Syndroms beigetragen.
Frau Neuhaus begann allgemein über Diagnostik, Häufigkeit und Symptome von ADHS im Kinder-, Jugend- und Erwachsenenalter zu referieren. Wie entwickeln sich schwierige Kinder zu Jugendlichen, die keine Perspektive im Leben haben, wenn ADHS nicht behandelt wird?
Welche Comorbiditäten können auftreten. Wie ist der multimodale Behandlungsansatz?
Frau Neuhaus kombinierte gekonnt den teilweise bekannten Stoff mit kleinen Anekdoten aus ihrer beruflichen Laufbahn.
Parallel fanden in verschiedenen Räumen und in einem großen Zelt Workshops statt. Entweder aus beruflichem oder persönlichem Interesse besuchten die Messeteilnehmer Vorträge von Frau Ader zum Thema Lese- und Rechtschreibschwäche.

Für das leibliche Wohl sorgten zwei Stände, an denen man Durst und Hunger stillen konnte.
Auch fanden zahlreiche Stände von verschiedenen Ausstellern (Pharmaunternehmen, Ergotherapiepraxen, Kureinrichtungen, und und und) das Interesse der Besucher.

Nach der Mittagspause blieb uns die Wahl zwischen einem weiteren Vortrag von Frau Neuhaus im großen Saal, zum Thema: “Ist eine begabungsgerechte Beschulung an einer Regelschule möglich?“ oder  das Thema „Hochbegabung und ADHS“, welches mich persönlich eher interessierte. Gibt es denn so etwas überhaupt? Meist ist es schwierig, berichtet auch Heilpraktikerin Ute Heidorn, dieses voneinander zu unterscheiden. Die Symptome ähneln sich. Allerdings können Kinder, die hochbegabt sind, auch ADHS haben. Frau Ute Heidorn leitet eine Praxis für Lerntherapie in Papenburg. Wenn betroffene Eltern dieser Kinder Hilfe in dieser Beziehung benötigen und Ihnen die Entfernung dorthin nicht zu weit erscheint, kann dort einen Termin vereinbaren. Ich habe dies aus erster Hand von der Dame erfahren, als ich ihr von meinem Sohn erzählen wollte!
ADHS bei Erwachsenen, leider immer noch ein Problem, das bisher häufig ignoriert, aber zunehmend akzeptiert wird. Dr. Martin Winkler, ein Arzt aus Niedersachsen, der sich sofort als ADS`ler outet, berichtete in seinem Workshop “ADHS und Ausbildung“ unter anderem, von der Arbeit mit Jugendlichen in seiner Klinik. Mitunter ist dies ein schwieriges Unterfangen. Da ich selbst ein jugendliches Mädchen mit ADS zu Hause habe, war ich sehr an diesem Vortrag interessiert. Wie wird ihre Zukunft einmal aussehen? Fakt ist, diese Jugendlichen haben es viel schwerer, sich anzupassen. Sie werden womöglich öfter Kritik ernten, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.
Der erste Tag ging dem Ende zu. Wir waren mächtig geschafft und ließen die vergangenen Stunden bei einer Flasche Wein Revue passieren.
Am nächsten Morgen, nach einem leckeren Frühstück in dem Sozial und Jugendzentrum “Hinterste Mühle“, ging es weiter mit dem „Lernen“.
Im großem Saal hatten sich wieder viele Interessierte eingefunden, um dem Vortrag von Frau Neuhaus “ ADHS und Suchtgefahr“ zu lauschen. Ich wollte aber etwas über ein völlig neuartiges Projekt, welches in Mannheim zwischen der dortigen Polizei und dem Institut für seelische Gesundheit begonnen wurde, erfahren. Deliquente Kinder und Jugendliche werden dort sofort aufgefangen und besonders betreut. Man hofft so eine mögliche Negativspirale, bei diesen Kindern und Jugendlichen, zu stoppen.
„Frauen und ADHS“ – Muss dieses Thema gesondert  angesprochen werden? Dr. Winkler berichtete hauptsächlich über jugendliche Frauen, welche er in seiner Klinik behandelt.
Viele jugendliche Erwachsene kämpfen leider über das achtzehnte Lebensjahr hinaus mit ihrem ADHS. Die Hyperaktivität wandelt sich in allgemeine Unruhe, aber Vergesslichkeit und mangelnde Konzentration bleiben.
Frau Christiane Beerwerth aus Münster coacht gegen ein gewisses Entgelt besonders junge Erwachsene, die Schwierigkeiten haben, ihre Zeit und Aufgaben zu managen. Ein interessanter Vortrag. Vielleicht gibt es dieses Coaching für ADHS- Erwachsene bald auch in unserer Gegend!
Nach der Mittagspause stellten sich alle Referenten nochmalig zu einer Diskussionsrunde. Falls jemanden noch spezielle Fragen auf den Nägeln brannten, konnte er diese stellen. Lange hielt es uns nicht mehr auf den Sitzen, zumal die gestellten Fragen zunehmend Einzelproblematiken beinhalteten. Wir wollten jetzt doch endlich nach Hause, denn wir hatten noch eine lange Fahrt vor uns.
Insgesamt hatte sich unser Ausflug nach Neubrandenburg gelohnt. Wir haben viele Neuigkeiten erfahren und hoffen diese in unserem täglichen Leben umsetzen zu können.
Vielen Dank an Andreas und Steffi Hannig für die gelungene Organisation!