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PRESSE Volksstimme Magdeburg
Seit fünf Jahren trifft sich die Magdeburger
ADHS-Selbsthilfegruppe regelmäßig bei Kobes im Breiten Weg
"Ich bin gar nicht allein
mit dem Problem"
Von Peter Ließmann
Magdeburg. Die Kinder laufen durch
die Sporthalle der Salzmann-Schule. Erst aufwärmen, dann gibt
Michael Roloff Anweisungen. Der Karate-Trainer (3. Dan) zeigt, worauf
es bei den Übungen ankommt. Kurze Pause, dann geht es weiter. An
den Seiten sitzen Eltern und beobachten ihre Sprösslinge. Und
unterhalten sich. Eine ganz normale Karate-Gruppe des Vereins Budokan
Magdeburg. Nicht ganz.
Was man nicht sieht: Ein Teil der Kinder leidet unter ADHS. Die
Abkürzung steht für Aufmerksamkeitsdefizit- und
Hyperaktivitäts-Syndrom. Die betroffenen Kinder sind
überdurchschnittlich zappelig, können sich nur schwer oder
gar nicht konzentrieren, haben Probleme, am Unterricht teilzunehmen.
Alles was Konzentration und Ausdauer erfordert, fällt ihnen
schwer. Die Familien leiden darunter.
Wie auch die von Petra Koch. Ihr Sohn ist jetzt 17. Auch sie hatte sich
lange dagegen gewehrt, dass ihr Kind unter ADHS leiden könnte.
"Das Familienleben war manchmal eine Katastrophe", erinnert sich die
Magdeburgerin. Und so gehe es vielen betroffenen Familien. Petra Koch
hat sich dann der Magdeburger ADHS-Selbsthilfegruppe angeschlossen.
Nicht mit dem Problem allein sein, mit gleichermaßen Betroffenen
reden können, sich austauschen. Erfahrungen weitergeben, das
schätzt Petra Koch an dieser Selbsthilfegruppe. Und das sich die
Familien nicht nur zu den regelmäßigen Gesprächsrunden
treffen, sondern auch ihre Freizeit gemeinsam verbringen. Man
fährt ins Schwimmbad, besucht Freizeitparks, trifft sich auf
Spielplätzen oder unternimmt Wanderungen und Radtouren.
Wichtig: "Die Kinder sollen sich viel und ungezwungen bewegen
können, Spaß haben und sich austoben können", sagt
Petra Koch. Und für die Eltern ist die Gemeinschaft wichtig. "Ich bin gar nicht allein mit dem Problem",
das sei, was die Selbsthilfegruppe vermitteln wolle.
Aber natürlich auch Fachliches. Zu ADHS gibt es noch eine ganze
Menge unterschiedlicher wissenschaftlicher Auffassung. Die reichen von
der klaren Ablehnung, ADHS als Krankheitsbild anzuerkennen, bis zur
Annahme, fast jedes zehnte Kind leide unter ADHS. Auch die
Therapieansätze sind verschieden. Die eine Lehrmeinung setzt auf
medikamentöse Behandlung, die andere ausschließlich auf
psychologische Betreuung und Bewegungstherapie.
Auch das ist immer ein Thema bei den Gesprächsrunden der
Magdeburger ADHS-Selbsthilfegruppe. Und die rund 30
regelmäßigen Mitglieder wollen aufklären. Darum wurde
für den Sonnabend, den 9. Juni, ein ADHS-Tag vorbereitet.
Infostände sind geplant, es werden sich therapeutische
Eirichtungen vorgestellt, eine ergotherapeutische Praxis gibt Tipps,
die Jugendwerkstatt Ferchlander Weg ist mit dabei, Kinderland e.V.,
zwei Verlage und natürlich auch Michael Roloff mit seinem
Budokan-Verein. Los geht es um 14 Uhr in der Makarenko-Schule.
Für den 22. und 23. September plant die Selbsthilfegruppe die
kleine ADHS-Messe im AOK-Gesundheitszentrum.
Die Selbsthilfegruppe trifft sich übrigens jeden dritten Mittwoch
im Monat von 18 bis 20 Uhr bei Kobes im Breiten Weg 251. "Einfach mal
reinschauen", lädt Petra Koch ein, die telefonische Anfragen unter
2582246 beantwortet.
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